A!301 – EinMannBoyband

Dienstag, 19. Juni 2018, 6:00 Uhr

Streit, Streit, Streit bei den Linken, in der cs/cdU, innerhalb der G7. Überall nur Streit. Wir wissen nicht mal, ob es jetzt G6 plus 1 oder G7 minus 1 heißt und begeben uns mit der Hans-Jessen-Show auf die Suche nach konstruktiven Körnchen in den großen Haufen. Stefan findet welche in Putins Rede von 2001, in Sahra Wagenknechts Rede vom Parteitag, in einem Tweet von Simone Lange und in Thomas Klaus’ Gedankengang zu Helmut Kohl. Genug Gründe ausführlich zu diskutieren. Dazu eine kurze A!300 Rückschau. Und im Finale Musik von Mathias und eure Audiokommentare.

Wir danken unseren Produzenten Sebastian, Maria, Christopher, Lennard, Christian, Hannes, Karsten, Oliver, Jürgen, Peter und Sophie und unseren Unterstützern Ruwan, Lukas, Marius, Dirk, Andreas, Markus, David, Tobias und Stefanie, Rene, Jannik, Jan, Alexander, Klaus, Dario, Hagen, Marco, Sinah, Sarah, Nina, Eva, Patrick, Karen, SEbastian, Nadin, Julia, Thomas, Christian, Ingmar, Robert, Jan, Robert, Bastian, Steffen, Sina, Vincent, Stephanie, Olaf, Michael, Fabian, Christina, Radha, Stefan, Martin, Immanuel, Sebastian, Carsten, Nico, Ivon, Till, Andreas, Olga, Gunther und Marie, Jens, Leo, Ullrich, Rene, Roland, Roland, Frank, Dennis, Anna, Maik, Peter, Karl, Andre, Charlotta, Marcel, Robert, Stefan, Ole, Tobias, Tobias, Jakob, Stefan, Bastian,Simon, Valentin, Koray, Josef, Marc, Alexander, Bernhard, Raphael, Paul, Michael, Kay, Michael, Bernhard, Kay, Felix, Josef, Ellen und Ralf.

Der Aufwachen! Podcast endete mit Ausgabe 444. Ihr findet Stefan beim Fernsehpodcast und Tilo bei Jung & Naiv.

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Mathias

15 Gedanken zu „A!301 – EinMannBoyband“

  1. Warum es Linke gibt, die etwas gegen Sahras Positionen haben, hatte ich bereits im Audiokomentar erklärt und die Linksjugend aus Altenburg hier nochmal kompakt zusammen getragen.
    https://www.facebook.com/solidABG/posts/2098289970460531

    Nein, es geht eben nicht um offene Grenzen oder nicht.
    Das Thema offene Grenzen hat und hatte Sahra nie gebraucht für ihre Äußerungen und sie tätigte diese auch weit vor der Forderung nach offenen Grenzen.

    Es geht hierbei nicht darum, ob offene Grenzen sinnvoll oder sinnfrei sind, sondern darum, dass das, was Sahra macht, normativ und wie sie es macht inhaltlich falsch ist.

    Sie übernimmt rechte Narrative und dieser Umstand allein muss doch mal anerkannt und verstanden werden. Hierzu ist es doch völlig egal, ob andere offene Grenzen fordern oder nicht.

    Gruß
    Fabian

    1. “Die Rechten sagen das auch” ist kein Argument, vor allem keines das einen davon entlastet, auch etwas Inhaltliches beizutragen.

  2. Ich möchte hier etwas zum Kriminalfall Ali B. Zum Besten geben. Ich finde Stefan hat mit seiner Haltung hier im Grunde einen soliden Standpunkt, zumindest einen vertretbaren.
    Dieser Fall ist von Ungewissheiten und täglichen Wendungen geprägt. Sich hier mit – endgültigen – juristischen Bewertungen zurückzuhalten finde ich überzeugend.
    Zumal meiner Auffassung nach der Schwerpunkt – auch in der RegBK – falsch gesetzt ist. Im Grunde sind die Fragen zum Geschehen im Irak Journalistenfragen.

    Stefan hat hier, auch wenn es – ich will nichts unterstellen – nur „trotzige“ Einzeiler von sich gegeben hat, ziemlich ins Schwarze getroffen. Er sagte sinngemäß, wenn es nur um die Personalfrage geht und evtl. eine Entlassung im Hause steht, dann ist das „uninteressant“.

    Das sehe ich ähnlich. Das ist etwas was die Gesellschaft für einen Abend beschäftig, aber nichts was sich zur skandalisierung über Wochen eignen würde. Bundesstaatsanwälte sind schon durch schlimmeres gegangen.

    Zudem erscheint eine Strafbarkeit sehr zweifelhaft, nach meinen Informationen sei der freiwillig eingestiegen. Eine Einwilligung schließt ziemlich viele Straftatbestände aus. Selbst wenn würde es hier erst nach einem Prozess interessant werden und dann nur auf juristisch-wissenschaftlicher Ebene. Im übrigen hätte selbst die „Entführung“ (wie sie genannt wurde) keine großartige Auswirkung auf die Hauptverhandlung.

    Jetzt kommt aber der Punkt – diesen möchte ich mit meinem Punkt zur RegBK verbinden – der eigentlich interessant ist. Nämlich die Vorgehensweise in Deutschland. Hier lagert das eigentlich Sprengstofffass, etwas das auch in der Gesellschaft anklang finden würde und maßlos zur politischen Stimmungsmache missbraucht werden würde.

    Was meine ich damit? Wir haben heute im Video-Podcast die Bilder des Transports gesehen, dabei ist sicher aufgefallen, welche „eindrucksvollen“ Bilder entstanden sind. Warum ist dies wichtig? Nun, nach einem Bericht des Spiegels, der sich auf die Pressestelle der Staatsanwaltschaft beruft, sei bei der Befragung von Ali B. kein Vertreidiger anwesen gewesen, er habe dies nicht gewollt.
    Genau hier kommt nun, juristisch sind verschiedene Auffassungen vertreten, der Knackpunkt. Durfte das sein?

    Die StPO hat genau in diesem Punkt eine Änderung erhalten, recht frisch und deshalb umstritten. Es geht hierbei um § 141 Absatz 3 Satz 4 StPO, hier sind die Worte „aufgrund der Bedeutung der Vernehmung“ und „geboten“ wichtig.
    Es geht in diesem Fall um Mord, mit extremen medialen Interesse, die Bedeutung könnte fast nicht höher sein.

    War dies auch geboten? Nun nimmt man eben zuvor gesagtes, schaut sich zusätzlich noch die Zeit vor der Befragung an, dann läuft es einem kalt den Rücken herunter.

    Ali B. Wurde aus dem Irak im Flugzeug nach Frankfurt geflogen. Ob er in der Situation geschlafen hat? Anschließend durch – wir sahen es – zahlreiche SEK Beamte mit einem Hubschrauber zur Befragung geflogen und dort folgte eine mehrstündige Befragung, alles ohne Verteidiger.

    Ein solcher könnte aber eben nach § 141 Abs. 3 S. 4 StPO geboten gewesen sein. Das heißt hier könnte die Richterin einen ziemlich gravierenden Fehler gemacht haben. Das Pulverfass könnte also unter Umständen beim BGH hochgehen.

    Dies würde ohne mit der Wimper zu zucken politisch ausgeschlachtet und hätte weit mehr Aufmerksamkeit der Gesellschaft als die Sache mit dem Irak.
    Aber auch hier gilt, abwarten was der BGH sagt.

    Entschuldigung, dass es so lang geworden ist. Eigentlich wollte ich „nur“ sagen dass ich die Haltung von Stefan gut finde, dass er auf die Rechtsprechung warten will. Denn im Recht kommt es auf jedes Wort an, alle Behauptungen ohne vollständige Faktenlage sind da eher anzuzweifeln. (Im übrigen auch mein Beitrag)

    Grüße

  3. “Die Rechten sagen das auch”
    Das ist nicht der Punkt und war es nie gewesen.
    Es geht darum, dass sie das, was Linke grundsätzlich an den Aussagen von Rechten als falsch ausmachen.
    Diese falschen Aussagen sind es, die sie übernommen hat und die ein Problem darstellen.

    Rechte und Linke sind nicht Anhänger unterschiedlicher Fußballvereine und tragen lediglich andere Farben, sind dennoch Fußballfans. Nein, sie teilen unterschiedliche Werte- und Moralvorstellungen. Der Punkt ist nicht, dass Sahra eventuell Schokoladeneis lecker findet, wie ggf. ein Neonazi, sondern dass sie humanistische Werte untergräbt.
    Sie ist nicht ein klein wenig weniger Links in der Asylfrage als ich oder andere Linke, sie liegt falsch und diese Falschheit begründet sie, wie die Rechten, die an der Richtigkeit nicht interessiert sind.

    Gruß
    Fabian

  4. “… Viele Menschen haben Merkels Pragmatismus und ihren managerhaften Stil bewundert. Doch deren Preis war ein beständiges Scheitern beim Lösen von Problemen. Das Foto des G7-Gipfels in Kanada, das Merkel gegenüber US-Präsident Donald Trump in trotziger Pose zeigt, ist eine optische Täuschung. Sie stellt sich niemandem entgegen, nicht einmal Horst Seehofer.” – Financial-Times-Kolumnist Wolfgang Münchau

    Hat es sich nun bald endgültig ausgemerkelt?

  5. Zum Thema Krim scheinen sich ja alle einig zu sein, dass dies eine Annexion war. Diese Frage ist ja nicht abschließend erklärt und es gibt hier unterschiedliche Meinungen:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/krim-bundesregierung-russland-annexion-streit

    Wieso man bei uns lieber von einer Annexion spricht ist klar, wieso die Russen lieber von Sezession sprechen ist auch klar. Solange dies von einer “neutralen Seite” aber nicht eindeutig geklärt ist, möchte ich aber bitten sich nicht auf einen Begriff festzulegen.

    Wieso fordert eigentlich kein Politiker, die Abstimmung auf der Krim unter internationaler Aufsicht (OSZE?) zu wiederholen?

  6. Zu Sarah Wagenknecht / DIE LINKE :
    Frau Wagenknecht hat den Ritterschlag bei Anne Will ( 27.08.2017 ) bekommen mit der Bezeichnung : Verschwörungstheoretikerin
    Soweit ich mich erinnere hat sie diesen Titel mit einer Analyse der
    SPD / CDU Politik errungen….
    In den Medien habe ich wenig Kritik an der “Beleidigung” vernomen.
    Damit scheint sie das Krokodil in der Talkshow gewesen zu sein…

    Ich finde DIE LINKE hat viele Punkte wo es sehr leicht ist Zustimmung zu bekommen ( HARTZ IV, NATO-Kriege, Arbeitswelt ).
    Für schwierig halte ich es mit dem Thema Grenzen offen / überwacht mit moralischen Argumenten zu Punkten. Da bin ich bei Frau Wagenknecht…..
    Mit dem “Kampf gegen Rechts” geht wertvolle Energie verloren und führt zu Lagerbildung.
    Welche Argumente der Linkspartei gibt es wenn es Opfer von Zugereisten gibt ?
    Wenn Politiker solche Opfer als Argument für Grenzkontrollen nutzen ist es für mich zu wenig wenn die ANTIFA dort eine Gegendemo veranstaltet….
    Ich habe da keine Idee bzw. würde von “Gegendemos” abraten ( Lagerbildung ).

  7. Bei Jenny’s Einmischen Podcast zum Linken Parteitag gabs auch Interviews mit 2 jungen Linken. Der eine (Realo) mit ganzem Herzen dabei. Hört ihn euch an. Toller Typ. Der andere brachte erstmal seinen Lebenslauf da und unterstrich wie toll er doch ist. Aber er war ganz dolle gegen Wagenknecht. Ein Opportunist wie er im Buche steht. Ich hätts ja noch verstanden wenn bei den Fundis wenigstens eine Alternative dahinter stehen würde, eine andere Idee von der Linken. Aber da war nichts. Nur “dagegen”. Für eine Partei ist sowas auf Dauer wie Krebs.

  8. Ein paar Ergänzungen zu Thomas Metzinger (BAAN Scenario im Musikteil von Mathias):
    a) Das BAAN Szenario stellt er u.a. in folgendem Vortrag zum Thema “VR und künstliche Intelligenz” zur Diskussion (ab min. 59:30): https://www.video.ethz.ch/speakers/collegium-helveticum/digital-societies/virtuelle-realitaet.html
    b) Er twittert unter https://twitter.com/ThomasMetzinger
    c) Er ist Mitglied in der neu gegründeten Expertengruppe der EU-Kommision zum Thema Artificial Intelligence https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/commission-appoints-expert-group-ai-and-launches-european-ai-alliance
    d) er hat sich bei Deutschlandfunk Kultur zur Serie Westworld geäussert: http://www.deutschlandfunkkultur.de/neue-staffel-von-westworld-hier-bin-ich-roboter-hier-darf.1264.de.html?dram:article_id=418294
    Darin sagt er u.a.: “Was ich interessant finde ist, wenn man sieht wie Leute in den Themenpark gehen und brandschatzen, morden und vergewaltigen, dann ist es ja so, dass wir heute, in der sogenannten wirklichen Welt, schon sehr viele andere Wesen als Hosts behandeln. Erstens sind die Anderen empfindungsfähigen Wesen auf diesem Planeten. Wir behandeln die eigentlich so, also mit Massentierhaltungen, Schlachtungen, Stellen sie zum Vergnügen in Zoos, in Gefängnissen aus, als ob sie eigentlich nur Maschinen wären, und als ob das völlig ok wäre. Die 95 % die nicht so reich sind wie wir, die Menschen in der dritten Welt die behandeln wir eigentlich auch wie Hosts. Unsere Wirtschaftspolitik ist eigentlich eine Form von Kriegführung. Und wir tun aber so, als ob die eigentlich nicht auch empfindungsfähig wären. D.h. das ist alles auch eine Allegorie darauf wie wir selbst miteinander umgehen.“ (eigene Transkription)
    e) ich fände es cool, ihn mal bei Jung&Naiv zu sehen 🙂

  9. [18:53] Rührend wie gutgläubig, geradezu naiv Hans Jessen Stefans These widerspricht, Christiane Sabinsen habe Hartz IV medial vorbereitet. Es ist doch gar nicht zu leugnen, dass der Hauptzweck dieser Talkshow darin bestand, die deutsche Bevölkerung weichzuklopfen, mit dem Mantra vom „Reformstau“ in Deutschland, dem “kranken Mann Europas”, und dem drohenden Zusammenbruch des Sozialstaats, der nur durch Einschnitte in die “soziale Hängematte” zu retten sei. Durch dieses penetrante Agendasetting von BDI- und INSM-Vertretern (Olaf Henkel, Oswald Metzger etc.) dauerberieselt und mental vorbereitet, stimmte schließlich die veröffentlichte Meinung den Hartz-IV-Gesetzen und Rentenreformen zu, die ja keine spontane Eingebung Schröders waren, sondern von langer Hand geplant waren. Laut Edward Bernays ist ein Zweck von Propaganda, die Massen durch Wiederholung der ängstigenden Botschaft an den bevorstehenden Wandel zu gewöhnen und von seiner Alternativlosigkeit zu überzeugen.

  10. Der Ruf nach offenen Grenzen – ein postkolonialer Ablassbrief (und mein Kommentar zu Sahra Wagenknecht)

    Wer sich für den Nationalstaat ausspricht, ist nicht automatisch Nationalist. Klingt komisch? Ist aber so! Die Linke macht momentan das, was die Linke historisch gesehen schon immer macht: sich traditionsbewusst in innerparteilichen Machtkämpfen selbst zerfleischen, während die Rechte ihren Rückhalt in der Bevölkerung stetig ausbauen kann. Im Gegensatz zu Katja Kipping spricht sich Sahra Wagenknecht nicht für offene Grenzen aus. Warum eigentlich nicht? Die Forderung nach offenen Grenzen ist doch eine traditionell linke Position. Oder? Links ist, wer die soziale Frage ganz oben auf die Agenda setzt. Nicht nur im eigenen Land, sondern global betrachtet. Links ist, wer gegen soziale Ungleichheit ist, sich gegen die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich einsetzt, gegen Freihandel und Ausbeutung ist. Links ist, wer dafür einsteht, dass Menschen nicht aus ihrer Heimat fliehen müssen, weil die kriegerischen und ökonomischen Umstände es verlangen.
    Die moderne Demokratie ist unmittelbar mit dem Konzept des Territorialstaats verbunden. Wer für Grenzen ist, ist nicht automatisch für Abschottung. Das wird oft unterstellt. Doch Grenzen ermöglichen die Ausbildung eines demokratischen Rechtsstaats, ein historisches Bewusstsein und einen funktionierenden Sozialstaat. Als Deutscher kann ich historische Verantwortung übernehmen und diese an meine Kinder weitergeben. Nationale Grenzen gewährleisten ein Gefühl von Sicherheit, die Ausbildung eines Gemeinschaftsgefühls, die Solidarität mit anderen und ermöglichen Zusammenhalt. Die eigene Grenze zu wahren, bedeutet die Grenzen des anderen anzuerkennen. Bis hierher und nicht weiter. Außer dieser bittet mich darum. Das nennt man Souveränität. Diese wurde in der Geschichte allzu oft nicht eingehalten. Unter anderem ein Grund für die mehr als 68, 5 Millionen Flüchtlinge auf der Welt. Grenzen müssen keine hermetisch abgeriegelten Mauern mit Scharfschützen und Selbstschussanlagen sein. Sie können Begegnungsorte sein, fluide und durchlässig. Und dennoch müssen die bewahrt werden und die Möglichkeit bieten, sie jederzeit schließen zu können. Wer Merkel für die Politik der offenen Grenzen feiert, ist kurzsichtig, sieht er offenbar nicht an die Grenzen Europas, nach Libyen und ins Mittelmeer, wo Leid herrscht, Menschen gefoltert werden, ertrinken und tagtäglich an den Grenzen Europas abgewiesen werden. Wer das nicht wahrhaben will, ist blind. Merkel verlagert die Grenze. Das ist alles.
    Wenn die Linke ihre Wähler zurückgewinnen möchte, ist die Forderung nach offenen Grenzen kontraproduktiv. Offene Grenzen zu fordern ist nicht links, sondern unpolitisch. Der Forderung liegt kein Konzept, keine zielgerichtete Idee zugrunde. Sie ist nicht mehr als eine leere Worthülse, die unter dem jubelnden Getose der Linken-Funktionäre an den Wänden des Parteitaggebäudes verhallt. Ausschlaggebender Grund für Sahras Position ist das Bewusstsein dafür, dass sich die traditionellen Wähler der Linken den Kosmopolitismus schlicht und einfach nicht leisten können. Wer offene Grenzen fordert, sollte zu einer anderen Partei wie den Grünen wechseln. Deren Wählerschaft kann sich solch eine Forderung leisten – ob jetzt oder in Zukunft. Offene Grenzen schaden nämlich zuallererst denen, die prekär beschäftigt sind, denen die mit den Geflüchteten um schlecht bezahlte Arbeitsplätze konkurrieren müssen – oder es zumindest fürchten. Links ist, wer für soziale Gerechtigkeit einsteht. Für soziale Gerechtigkeit auf der ganzen Welt ist. Dass Menschen dort wohnen können, wo sie möchten und nicht fliehen müssen, vor dem alltäglichen Kampf ums Überleben, Hunger und Elend. Der Ruf nach offenen Grenzen wirkt wie ein postkolonialer Ablassbrief, finanzieller Erpressung, Ressourcenausbeutung und Billiglohnproduktion. Denjenigen, die sich dagegen aussprechen wird Naivität vorgeworfen. Man könne ja sowieso nichts ändern. Also öffnet man die Grenzen, um alle Menschen einzuladen in die europäische Gemeinschaft. Danke Europa!

    Dazu einen Artikel auf Makroskop, der lesenswert ist:
    https://makroskop.eu/2018/06/der-kosmopolitische-irrweg/

    Und ein Interview mit dem Ideenhistoriker Mark Lilla zu Gemeinschaft und Nation:
    https://www.youtube.com/watch?v=gm3rYmQO8o0

  11. Nehmen wir Trump mal als Projektionsfläche weg und schauen
    uns an welche Effekte er verursacht durch sein “unkonventionelles”
    Handeln.
    Trump ist das Handgranate die man in das, teils globale, politische System
    wirft und wir können beobachten wie dieses reagiert. Extremst unterhaltsam der Mann.

    Lasst den Mann mal außen vor wir diskutieren hier Handel (auch den digitalen),
    Flüchtlinge, Steuern, Menschenrechte, militärische Allianzen als hätte es diese Themen in
    dieser Form medial mit Clinton gegeben.

    Auch das auseinander reißen der Familien als medial geführtes Thema ist sinnvoll.

  12. Thema: Trump und das Völkerrecht

    Was für mich bei der ganzen Berichterstattung über Trumps Zölle völlig untergeht oder zumindest nur viel zu kurz angeschnitten wird, ist, dass auch solche Eingriffe in den Welthandel nicht in einem völlig rechtsfreien Raum stattfinden, sondern es auch dafür normierte Regeln gibt, namentlich ist das hier vor allem das WTO-Recht.
    Und bei der näheren Auseinandersetzung mit der Materie, wird dann recht schnell klar, dass zumindest völkerrechtlich Trumps Zollerhöhungen und die darauf folgenden Reaktionen der EU und anderer Staaten nicht so sehr in das doch sehr gefestigte Schwarz/Weiß-Bild reinpassen.
    Trump begann ja damit Zölle auf den Import von Stahl und Aluminium zu erheben und beruft sich dabei ja gerne auf die national security der USA die damit gewahrt werden müsse. Diese national security ist dabei nicht nur ein Buzzword, sondern tatsächlich einer der ganz wenigen nach WTO-Recht möglichen Gründe, die Zollerhöhungen dieser Art möglich machen (Art. XXI GATT). Um zu prüfen, ob diese Zölle rechtmäßig sind, muss man sich also zumindest damit beschäftigen, ob die Begründung hier greifen kann. Da es sich bei Stahl und Aluminium um Güter handelt, die zumindest potenziell für die Rüstungsindustrie gebraucht werden können, ist eine Anwendung nicht völlig abwegig.
    Trotzdem klingt die Behauptung natürlich absurd, dass die Importe von Stahl und Aluminium zB aus der EU die nationale Sicherheit der USA gefährden, allerdings gehen zumindest führende Völkerrechtswissenschaftler davon aus, dass die WTO (die letztlich das Organ ist, dass die Rechtmäßigkeit der Zölle zu prüfen hätte) nicht berechtigt ist, von außen einem Mitgliedsstaat vorzuschreiben, wann dieser seine nationale Sicherheit gefährdet sehen darf; auch der Wortlaut (“Nothing in this agreement shall be construed to prevent any contracting party from taking any action which it considers necessary for the protection of its essential security interests”) scheint dem Staat selber die Entscheidungshoheit zu geben.
    Das klingt wahrscheinlich erst einmal abwegig, denn eine solche Regelung kann offensichtlich doch recht leicht ausgenutzt werden. Allerdings sollte man sich dabei immer wieder vor Augen führen, dass das gesamte Völkerrecht letztendlich nur auf Verträgen zwischen Staaten besteht. Und dass Staaten kein großes Interesse daran haben, eine externe Organisation darüber entscheiden zu lassen, wann sie selber ihre nationale Sicherheit bedroht sehen dürfen, ist ja auch irgendwo schlüssig.
    Daher spricht einiges dafür, dass Trumps Zölle tatsächlich im Einklang mit geltendem Völkerrecht stehen, was dann wiederum die Gegenzölle rechtswidrig machen würde, denn auf rechtmäßiges Handeln, darf man nicht einfach mit Zöllen antworten, für die man keinen vom WTO-Recht abgedeckten Grund vortragen kann. Und nationale Sicherheit zieht bei Whiskey und Harley Davidson nur bedingt.
    Diese rechtswidrigen Zölle der EU würden dann übrigens Trump wiederum Rechtfertigungen liefern, um dann seinerseits mit Zöllen auf bspw. Autoimporte zu antworten.

    Das nur als Kurzüberblick über geltendes Völkerrecht, wenn man das ganze noch viel ausführlicher sehen will, kann ich diesen Artikel (https://verfassungsblog.de/stahl-und-whiskey-ein-transatlantischer-handelskrieg/) nur sehr empfehlen.
    Ich finde einfach sehr interessant, dass solche recht grundsätzlichen Fragen danach, wer sich hierbei überhaupt rechtens verhält, so überhaupt nicht in den Medien gestellt werden, man ist da scheinbar so sehr in die Idee verstrickt, dass der schwarze Peter einfach eindeutig bei Trump liegt (wobei ich da jetzt nicht die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit seines Handelns bewerten will), dass sich die Frage schon erübrigt. Tilos “Wir sind die Guten”-Clip würde hier gut passen.

  13. Ich habe von dem BAAN-Szenario heute zum ersten Mal gehört; habt ihr einen Link zu dem abgespielten Beitrag?

  14. Was war denn hier mit Hans los?!

    Die Debatte zu Menschenrechtsverletzungen der USA hat mich schon an ihm zweifeln lassen, aber er hatte ja ne ganze Reihe solcher unerklärlicher Aussetzer in dieser Folge! Auch seine Einlassungen zur Gründungserklärung der CSU bei 2:35h.

    Was war denn da los, Hans? Opponieren um des Opponierens willen?

    Unglaublich.

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