A!266 – Dieselaffen

Dienstag, 30. Januar 2018, 16:36 Uhr

“Davos”, das ist ein Treffen der Industriellen-Elite, die ihr Forum nutzt, die Anliegen der Verbraucher zu klären. Und den Trump finden dort alle blöd. Die Tagesthemen verwirren mal wieder, insbesondere mit ihren Kommentaren. Die Grünen dagegen senden Aufbruchs-Signale, was beim allgemeinen politischen Niveau heißt, sie bekommen ihre Frührungskräftefragen geregelt. Und ansonsten schauen wir nach Cottbus, wo die einen offenbar mal wieder einen “Kessel unter Dampf” setzen, damit die anderen politisch gefügig werden. Danke CDU für die schöne O-Ton-Olympiade der Debatten-Basis.

Wir danken unseren Produzenten Hartwig, Katy, Axel, Hendrik, Marlon, Holger, Silvan, Robin, Johannes, und unseren Unterstützern Kay, Hans-Christian, Casten, Daniel, Jonas, Nina, Johannes, Felix, Alexander, Ronny, Henning, Peter, Ivon, Gabriel, Christian, Hubertus, Alexander, Alexander, Anna-Helena, Henry, Alexandra, Nicole, Lars-Christian, Cordula, Yves, Marcus, Stephan, Rui, Martin, Arne, Mousie, Raphael, Dominik, Peter, Matthias, Tobias, David, Daniel, Jörg, Berta, Kora, Christopher, Bastian, Philipp, Florian, Lukas, Thore, Frederic, Marc, Ibrahim, Frank und Ulrike.

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9 Gedanken zu „A!266 – Dieselaffen“

  1. Hallo Stefan, Tilo und Hans.

    Kann Tilo Herr Dr. Dimmroth evtl. bei Gelegenheit darüber aufklären, dass es immer einen Wortlaut eines geschriebenen Textes gibt, und einen Geist? “Bundestrojaner” ist der Geist dessen, was er so geflissentlich im Wortlaut zitiert.

  2. “Naitre” heißt im Französischen “geboren werden”, “Naissance” ist die Geburt. Es heißt also Wiedergeburt.
    Ich bin enttäuscht von Hans 😉
    Lg

  3. Vielen Dank für die letzten Podcasts, vor allem 264: Beste Folge!
    Ich möchte aber das hervorragende Fratzscher Interview und zunächst Eure Reflexion dazu zum Anlass nehmen, ein paar Anregungen loszuwerden.

    Es ist deshalb nicht egal, ob man „Familienzusammenführung“ oder „Familiennachzug“ sagt, weil die durch die Begriffe erzeugten Perspektiven auf den gleichen Sachverhalt auf spezifische Resonanzen bei den Zuhörern, bzw. Wählern treffen.
    Da ja Ekel in der Politik und Jordan B. Peterson im Podcast schon angesprochen wurden, schließe ich da mal an und beziehe mich hierbei auf die sozialpsychologische „Moral Foundations Theory“ von Jonathan Haidt (hat auch zu (moralischem) Ekel geforscht; Fefe hatte auf das Haidt/Peterson Gespräch hingewiesen), die menschliches Bewerten und Urteilen zu erklären versucht. Die Theorie geht dazu von moralischen Grundbausteinen aus, die individuell unterschiedlich zusammengesetzt werden und damit die ansprechbare, wenig veränderbare Grundlage von individueller Wahrnehmung bilden.

    Diese moralischen Grundbausteine werden durch fünf Begriffspaare repräsentiert, wobei im Laufe der Entwicklung ein sechstes dazugekommen ist und weitere Differenzierungen nicht ausgeschlossen sind.

    1. Fürsorge: andere schützen, sich kümmern; Gegenteil von Leid.
    2. Fairness oder Verhältnismäßigkeit: Betonung von Gerechtigkeit und gemeinsamen Regeln; Gegenteil von Betrug.
    3. Loyalität oder ingroup: Zusammenhalt mit der Gruppe, Familie, Nation; Gegenteil von Verrat.
    4. Autorität oder Respekt: sich Tradition und legitimierter Autorität unterordnen; Gegenteil von Zersetzung.
    5. Heiligkeit oder Reinheit: Abscheu vor ekligen Dingen, Essen, Handlungen; Gegenteil von Entwürdigung.
    6. Freiheit: Ablehnung von Zwang durch Personen oder Institutionen; Gegenteil von Unterdrückung

    Die individuelle Gewichtung dieser Bausteine korreliert nun mit Wahrscheinlichkeiten eine (im US-Sinne) eher konservative, progressive oder libertäre politische Einstellung zu haben. (Universelle) Fürsorge und Fairness sind progressiven Leuten wichtiger, während Zusammenhalt und Respekt von Konservativen besonders betont werden und Libertäre vor allem anderen die individuelle Freiheit schätzen.

    Die hohe Bedeutung dieses moralischen Fundamentes begründet Haidt mit „Intuition comes first!“: Der Mensch hat schon entschieden und seine Vernunft begründet die Entscheidung nachträglich (social intuitionism).
    Diese Unterscheidung entspricht dem „Schnelles Denken, langsames Denken“ – Konzept (System Eins, System Zwei) von Daniel Kahnemann, das ja im vorletzten Jahr schon besprochen wurde und damit Basiswissen für Amerikaversteher ist 😉

    Trumps Kampagne hat ja gezeigt, dass man den Wählern über (soziale) Medien alles erzählen kann, was sie gerne hören; oder besser, was sie emotional berührt. Sie mit dem zu überzeugen, von dem sie schon überzeugt sind. Das sah nach außen widersprüchlich und rätselhaft aus, ließ aber einen großen Fundus an Ansprachemöglichkeiten entstehen, der erfolgreich ausgebeutet wurde.
    In der Trumpform wird es vermutlich nicht nochmal funktionieren, aber selbstverständlich bleibt es auch weiterhin nur die emotional oder eben intuitiv wirksame Ansprache des Wählers/Zuhörers, um die es in der politischen/journalistischen Kommunikation geht. System Eins first, Inhalte second. Wissen auch die Grünen, oder?

    „Familienzusammenführung“ spricht sowohl die Leute an, denen Fürsorge wichtig ist, als auch die, die sich um familiären Zusammenhalt sorgen. Also sowohl progressive, als auch konservative Wähler fühlen sich angesprochen: Ob sie wollen oder nicht!
    „Familiennachzug“ dagegen spricht Stefan und die meisten anderen nicht emotional an und wirkt demobilisierend: Mission erfüllt. „Familienzusammenführung im Bürgerkrieg“ könnte man nur wenigen Konservativen verkaufen, deshalb nennt man es besser „Abschiebung“ und gewinnt.

    Unterschiedliche Gruppen gleichzeitig anzusprechen ist möglich und Marcel Fratzscher macht das virtuos, wenn er im Interview sagt: „Es war feige und falsch von den Parteien, Europa im Wahlkampf nicht zu thematisieren.“ „Feige“ ist die konservative Ansprache, denn sie handelt von Verrat, der dem moralischen Wert der Loyalität zur eigenen Gruppe entgegensteht.
    „Falsch“ ist die progressive Ansprache: Betrug als das Verletzung des moralischen Wertes der Fairness, der häufig mit linken politischen Einstellungen korrespondiert. So wildert man erfolgreich auf beiden Seiten des politischen Spektrums.

    Fratzscher bestätigt leider auch die von Flassbeck kritisierte Unterbetonung der Rolle der Löhne, obwohl Tilo diese offensiv adressiert hat. Sicher nur ein Zugeständnis an die mehrheitlich konservativen Kollegen, denen Loyalität alles ist und Wissenschaft second.
    Auffällig war das an der Stelle, wo nach den Möglichkeiten zum Abbau des Handelsüberschusses gefragt war: Alle anderen könnten nicht so richtig was machen, außer Deutschland, dass investieren müsse. Das ist zwar nachvollziehbar, hilft dem Amerikaner aber vermutlich nicht, weil die meisten Lehrer und Hausmeister nicht aus dem Ausland einpendeln, die genannte Infrastruktur vorwiegend von deutschen und europäischen Firmen hergestellt und entsprechende Kredite von hiesigen Banken vergeben werden. Teilhabe is king!
    Wie viel wir investieren, ist vorwiegend unsere Sache. Es ist aber insofern die entscheidende Frage, als dass es dabei um die „credit creation“ geht, die Kreditvergabe der Banken, den Antrieb der Geldwirtschaft. Und auf die entscheidende Rolle der Banken weist Fratzscher hin und fordert mit vielen Worten „credit creation control“. Ist richtig und wichtig.
    Bei einem Handelsüberschuss aber, ist die Stärkung der Masseneinkommen nur eine andere Formulierung für das Anstreben eines ausgeglichenen Außenhandels. Das geht direkt über höheren Staatskonsum (mehr Lehrer, Pfleger, Richter, Politiker…) und/oder höhere Tarifabschlüsse. Oder auch mit 30.000€ für jeden, so ein „Quantitative Easing for People“ (QE4P) – Modell.

    Die Frage nach der Wissenschaftlichkeit kann man auch die Gegenfrage stellen: Was ist nicht Wirtschaftswissenschaft? Systemtheoretisch betrachtet, arbeitet das Wirtschaftssystem mit der Unterscheidung Zahlung/Nichtzahlung. Alles was sich nicht mit Zahlungen beschäftigt ist Teil der Umwelt des Wirtschaftssystems*. Selbstverständlich relevant und voller Geschichten, aber System first.
    Nach den langjährigen und facettenreichen Darstellungen des Zahlungssystems, der Kreditschöpfung, der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von vielen Autoren, kann ausreichend gut und mit wissenschaftlicher Basis dargestellt werden, wie eine kapitalistische Geldwirtschaft funktioniert. Chinas wirtschaftlicher Erfolg basiert auf diesen Kenntnissen, genau wie unser. Nicht auf den ungewünschten Begleiterscheinungen Ausbeutung und Zerstörung, wie Gabriel meint, sondern auf der gewünschten produktiven Kooperation, die sich durch Zahlungen formieren lässt.
    In den letzten Jahren sind in den europäischen Zentralbanken ja die Lichter auch wieder angegangen, andererseits dürfen in Deutschland jetzt die Radikalsten Haushaltsausschüsse leiten.

    Psychologie, Politik und die Vandalen von Davos mögen spannender sein, aber das Operationsfeld der Wirtschaft klar und verständlich zu machen, das ist die Aufgabe der Wissenschaft. Und die Grundlagen dazu hat das DIW. Nur auf der Basis kann man Narrative schaffen, die ein großes Spektrum von Wählern ansprechen.
    Und alles andere wäre feige und falsch.

    *Ausgeführt wird eine systemtheoretische Betrachtung von Dr. Renée Menéndez, im Internet mit dem sprechenden Namen soffisticated zu finden. Noch anstrengender als Thomas Mann, aber besser…

    Schöne Grüße
    Jan

  4. Für alle, die auch mal ein anderes Buch als das Facebook lesen wollen: Lest Thomas Mann! Er benutzt eine wunderbare Sprache.
    Zauberberg und Doktor Faustus sind für den Einstieg vielleicht weniger geeignet. Aber empfehlen kann ich die Buddenbrooks, Tod in Venedig, Felix Krull, … und so kürzere Geschichten. Absolut wortgewaltig, genau beobachtend, abschweifend in Kultur und Geschichte… Das kann man wie einen guten Film, Musikstück mehrmals genießen…
    Ein ganz niedrigschwelliger, aber sehr gelungener, Zugang ist die TV-Serie von Breloer. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Manns_%E2%80%93_Ein_Jahrhundertroman
    Die DVD müsste in jeder öffentlichen Bibliothek kostenlos stehen.

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