A!207 – Vermeintes Gelände

Freitag, 26. Mai 2017, 7:07 Uhr

Heiland Macron*, Dämon LePen✝. *Schulz, Obama, Bernie. ✝Trump, Wilders, Petry. Aus welcher Perspektive gucken wir auf die Politik der neuen Hyperpersonen? Ist es die alte Ikonographie oder sind es die neuen Medien, die unseren modernen Blick trüben? Es ist unklar. Mit Wolfgang Michal und Hans Jessen reden wir über die politische Welt und anhand Sascha Lobos Film “Manipuliert” gucken wir auf die neuen Medien. Am Ende, eine Außnahme, lassen wir mal Anne Will durchdudeln. Bei ihr ging es mal nicht um Terror, Religion und Religionsterror, sondern um die Steuern.

Wir danken unseren Produzenten Daniela & Rex, Samuel, Rene, Juliane, Holger, Christian, Andreas, Daniel und unseren Unterstützern Termino, Anna-Katharina, Hans-Georg, Fritjof, Kevin, Artur, Lorena, Bernhard, Lukas, Yannick, Florian, Alexander, Roman, Marek, Dustin und Oliver.

Der Aufwachen! Podcast endete mit Ausgabe 444. Ihr findet Stefan beim Fernsehpodcast und Tilo bei Jung & Naiv.

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29 Gedanken zu „A!207 – Vermeintes Gelände“

  1. verspricht ja eine tolle Folge zu sein.
    Hab noch nicht rein gehört, aber Wolfgang Michal, bin ich sehr gespannt darauf.
    bzgl. ‘Manipuliert’: musste gestern/ heute eine Nachtschicht einlegen und habe das im ZDF gestern nebenher laufen lassen.
    Ich bin wirklich froh, wenn ihr darüber redet, weil, wer die 100,- € Laienschauspieler in der Sendung gesehen hat, braucht definitiv eine ‘aufwachen’-Therapie. 🙂

  2. Ohne die Episode gehört zu haben, sollte es vielleicht “Vermientes Gelände” heißen? Also, ein Gelände, in dem Mienen liegen? Oder ist “vermeint” eine neue Wortschöpfung? Etwa im Sinne “mit Meinung angefüllt”?

  3. Ohne den Part “Heiländer und Dämonen” schon gehört zu haben:

    Die Band Living Colour hat schon Ende der 80er den Song Cult of Personality veröffentlicht (der Song dürfte besonders Tilo als Wrestlingfan ein Begriff sein) und hat an Aussagekraft und Aktualität seitdem nichts eingebüßt.

    https://www.youtube.com/watch?v=7xxgRUyzgs0

  4. Moin,
    Nachtrag zur Präsentation der Folge 207 von Juliane… Die war noch mit lieben Grüßen aus Rostock versehen… Bin ja kein Unmensch 😉

  5. Gefühlt eine der besten Folgen!
    Hans ist wieder ein super Gast gewesen. Ich hatte gehofft, dass wir evtl. sogar schon etwas zu Maischberger vs. Schulz hören. Ich habe mich gezwungen das anzusehen und war sehr entäuscht…..

    Würde da Precht als Gast passen? Den Wunsch hört ihr ja immer wieder, würde mich freuen 🙂

    Finde das Interview sehenswert:
    https://www.youtube.com/watch?v=_xmk7bmufdo

  6. Zur integrativen Kraft des Niedriglohnsektors: Ich denke das ist ein akademisches Argument. In der Praxis integriert der Niedriglohnsektor die sozial abgehängten Menschen nicht in die Gesellschaft. Das Pro-Argument fußt meines Erachtens hauptsächlich auf die These, dass Arbeit, im allgemeinen unabhängig von ihrer Art, wichtig für die Zufriedenheit von Menschen ist und ein Teil der Gesellschaft sein lässt. Allerdings ist die Arbeit im Niedriglohnsektor ja gar keine befriedigende Arbeit, stattdessen sind dies Hilfsarbeiten, Service, Reinigung etc. Dabei wird den Arbeitnehmern keine Wertschätzung zuteil, sondern gesellschaftliche Geringschätzung in Form von Nichtbeachtung (wer hat schon ein freundliches Wort für die Putzkraft übrig? Andere Beispiele für andere Berufsgruppen gibt es genug). Arbeitszeiten und Öffentlichkeit der Arbeit sind noch andere Punkte, die den Kontakt zur Gesellschaft mitunter sogar erschweren. Außerdem treten “Aufstocker*innen” nicht aus der Abhängigkeit heraus, sondern befinden sich in einer doppelten Abhängigkeit: Niedriglohnjobs sind keine sicheren Jobs und die Bittstellung gegenüber dem Staat bleibt auch erhalten. Ein weiteres soziales Argument gegen die integrative Kraft des Niedriglohnsektors ist, und das gilt auch begrenzt für besser bezahlte Jobs, die offensichtliche Diskrepanz zwischen dem eigenen Lohn für ~40 Wochenstunden und dem Lohn der anderen für gleichschwere oder leichtere Arbeit. Das führt doch vielmehr zu einer noch stärkeren Entfremdung.

  7. Hans Jessen ist wirklich einer der kompetentesten und sympathischsten (!) Gesprächspartner, die man sich in diesem Umfeld vorstellen kann. Und jetzt hat er sogar ein tolles Mikro. Sehr, sehr gut! Da geh’ ich doch gleich mal wieder würfeln … 😉
    3 (Mist …)
    3 (Naja …)
    3 (Das gibt’s doch gar nicht …!)

  8. “Menschen mit Meinungen laufen herum und behelligen sich gegenseitig”, hier meine Behelligung.

    Euer Gespräch zu viert über “Politik der Hyperpersonen” und seine Ursachen war interessant. Ich habe den Eindruck, die Zunahme von Wechselwirkungen hat große Nebenwirkungen 😉
    Eigentlich müssten die Menschen in den Wohlfahrtsländern wegen der großen und wachsenden Information- und Bildungsmöglichkeiten immer mündiger und selbstbestimmter werden – gleichzeitig gibt es scheinbar den Trend zu starken Führungspersonen – Vater- und Mutterfiguren sowie zur Reduktion der liberalen Demokratie, zur Identifikation über starke Menschen und starke Nationen. Führt uns der digitale Fortschritt erst mal in einen Rückschritt, werden die Menschen infantiler? Fragen über Fragen.

    Ansonsten fand ich den Nachweis dafür, dass Stefan recht gehört hatte (https://goo.gl/Jk09ab). Hier der “vermeinteste” Satz aus dem Artikel: “Bewertungsplattformen für wirklich alles von Ärzten bis zum Zeppelinflug meinungsverseuchen den letzten Rest unbemeinter Öffentlichkeit.”

    “Die soziale Komponente des Internets verstärkt den Druck, sich gefälligst eine Meinung zu bilden und öffentlich zu dokumentieren.”
    Ich behaupte mal, es ist zum sozial hochgefährlichen Satz geworden zu sagen: Ich weiß es nicht.

    Stefan möchte ja, dass der öffentliche (Fernseh)-Raum mit Ansage bemeinter wird und das wäre mir natürlich auch lieber als diese mit dem Mantel der Objektivität versehene Meinungsmache. Ansonstonsten hingegen sehne mich nach mehr “unbemeinter Öffentlichkeit”. Und um mit einem Begriff von Jonathan Meese zu schließen: nach mehr “versachlichter Führung”.

  9. @Hans Jessen, das Bild von: Mediennutzer als die Lampe und Medien als Reflektoren halte ich für falsch, bestenfalls entstehen öffentliche Meinung und Medienmeinung in gegenseitiger abhängiger Coerzeugung voneinander – gleichzeitig zeigen diverse Beispiele bewusster Agitation, die ich den öffentlich-rechtlichen nicht unterstelle – dass “Meinungsmache” im Sinne von Manipulation keinesfalls schwierig ist und an diversen Stellen praktiziert wird. Es stellt sich hier aber doch eine andere Frage: Ist es nicht die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen, die “herrschende, öffentliche” Meinung und die aktuelle Politik in Frage zu stellen anstatt sie zu bestätigen? Sollten die Medien nicht immer und ganz bewusst gegen die Regierung agieren, erst recht wenn die Regierung aus einer großen Koalition besteht, und zwar völlig unabhängig von der persönlichen Meinung der Journalisten? Ist es nicht die Aufgabe der 4. Gewalt, die Mindermeinungen so zu diskutieren, dass sie im Verhältnis zu ihrem Verbreitungsgrad überbetont werden, anstatt die allgemeinen Hauptstränge ständig zu repetieren?

  10. Ich hatte noch ein Danke vergessen in meinen Kommentar zu schreiben für den Zusammenschnitt der Anne Will Steuer-Talkrunde. Konnte mich bis dahin trotz Interessen einfach nicht zum Anschauen durchringen, weil mich die grottenschlechte Moderation von Frau Will so sehr aufregt.
    So war es wirklich gut anschaubar. Außerdem ist damit auch ein gutes Dokument geschaffen mit dem wir die Realpolitik nach der Wahl abprüfen können.
    Also vielen Dank für diese lohnenswerte Arbeit, Stefan.

  11. Hans Jessen (ein wirklich heller Kopf, danke!):

    Nur die “Leuchte hinkt” deutlich, denn wenn sie einmal -von den Medien- ausgewaehlt (die LEUCHTENAUSWAHL ist ersteinmal entscheidend!) wurde, geht, auch bei Journalisten, haeufig genug die im Podcast besprochene soziale “Meinungspost” ab….

    Hier noch ein kurzer Hinweis zur “Wahrhaften” Berichterstattung:

    Im Rahmen einer recht angeregten, aufschlussreichen Diskussion bei Prof. Richard David Precht, äusserte sich der Verleger und Redakteur J. Augstein über Journalisten-Kollegen und eine ehrliche Berichterstattung in deutschen Medien. Auf mich wirkte er dabei an dieser Stelle beinahe irgendwie fassungslos: „…und wenn man das mit denen besprechen würde, ich kenn die ja, … die nehmen auch keine Pillen … die machen alles freiwillig … die glauben, dass das die Wahrheit ist und das es richtig ist und das ist echt unheimlich, das ist echt scary […]die mediale Berichterstattung … ist auch so erkennbar interessengeleitet…

  12. Hallo ihr Beiden!
    Gerne schreibe ich manche Besserwisserei, aber diesmal möchte ich einfach nur zum Ausdruck bringen, wie sehr mir der erste Teil im Viererformat gefallen hat. Ich war sogar gezwungen vom nebenbei, oder zum Einschlafen, zum aktiven Zuhören und Wiederholen überzugehen. Danke!

  13. Das größte “Land” der Erde (wird totalitär geführt und) ist mitverantwortlich an der Veränderung der Politik, davon bin ich überzeugt: (aus Diefenbach/Ullrich: Digitale Depression, 2016)
    “Eine neue Weltordnung
    Bislang sind dies noch Zukunftsvisionen. Wir sollten aber die potenzielle Macht einer anfangs spielerisch eingesetzten Technologie niemals unterschätzen. Technik kann alles verändern, quasi eine neue Weltordnung schaffen. Der Journalist Peter Glaser beschreibt dies am Beispiel von Facebook. In seinem Artikel »Der blaue Planet« in der Süddeutschen Zeitung im Januar 2016 analysiert er, wie die sozialen Medien die alte Welt in ihre Bestandteile zerlegen und diese dann neu zusammensetzen. Er beschreibt, wie das Unternehmen Facebook überall auf der Welt die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, umgekrempelt hat. Die Übernahme der Weltherrschaft durch Facebook datiert er auf Ende 2015 – tatsächlich ist Facebook mit 1,59 Milliarden aktiven Nutzern im Dezember 2015 auch das größte »Land« der Erde. Wem, wenn nicht Facebook, sollte also die Weltherrschaft zustehen. So wundert es auch nicht, dass viele Menschen in Indien, Brasilien oder Indonesien Facebook für »das Internet« halten, die digitale Welt fernab von Facebook ist ihnen kein Begriff. Glaser beschreibt den Effekt von Facebook auf unser Leben als eine virtuelle Kernspaltung: »Strukturen und Bündelungen, die bisher für sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Zusammenhalt gesorgt haben, werden aufgeknackt in ihre Bestandteile. Die Moleküle, die uns bisher zu einer Gemeinschaft verbunden haben, zerfallen in ihre Atome. Das Musikalbum wird atomisiert zu Tracks, die im Netz nur noch einzeln gekauft werden. Zeitungen zerfleddern zu einzelnen Artikeln, die wie Konfetti durch die sozialen Medien rieseln. Lieblingsstellen aus Büchern und Filmen werden als Schnipsel – Snippets – oder Zweiminuten-Clips auf Youtube und Facebook gestellt.«
    So schafft Facebook also in allen möglichen Bereichen eine neue Sicht auf die Dinge, die ursprünglichen Zusammenhänge der alten Welt sind für die Facebook-Bewohner nicht mehr bekannt und auch nicht mehr wichtig.
    Zwischen all den philosophischen Überlegungen weist Peter Glaser in seinem Artikel auch vehement auf die Motivation von Facebook als börsennotiertes Privatunternehmen hin: Facebook sei kein soziales Gebilde, auch wenn es sich so nennt. Wie alle multinationalen Firmen werde Facebook eher wie ein totalitäres Regime geführt denn wie ein demokratisches Staatswesen. Und die vermeintliche neue Öffentlichkeit auf Facebook sei auch kein öffentlicher Raum. Das Hausrecht liegt bei Facebook: »Es ist wie in einem Einkaufszentrum: Wenn dem Betreiber die Nase eines Besuchers nicht passt, kann er ihn vor die Tür setzen«, beschreibt es Glaser. Zu den Hausregeln zählt beispielsweise auch, dass hier mit Privatsphäre anders umgegangen wird als anderswo, so dürfen beispielsweise Profilbilder der Nutzer für Werbezwecke genutzt werden. Wer genug davon hat und das Land Facebook verlassen möchte, sollte sich genau überlegen, wohin er ausreist. Auch Alternativen wie Instagram und WhatsApp gehören mittlerweile zum Facebook-Universum.”

  14. Hey Stefan, ich finde nur Berichte über den Merkel Artikel in der FAZ. Hast du das Original “vorliegen”? Falls, ja, bitte verlinken. THX

  15. worauf es mir bei der Metapher Lichtquelle/Reflektor ankam, wird vielleicht deutlicher, wenn ich statt Politiker/ Journalist das Verhältnis Literat/Literaturkritiker nehme: auch die genialste Literaturkritik setzt Literatur voraus, mit der sie sich auseinandersetzen kann. In anderen Worten: Literaten existieren auch ohne Literaturkritiker , Literaturkritiker dagegen existieren ohne Literaten nicht. Insofern hat noch der geringste Literat dem größten Literaturkritiker etwas voraus . So wie die nackte Glühbirne auch ohne Reflektor leuchten kann (möglicherweise tranfunzelig ), der perfekteste Reflektor aber ohne Lichtquelle keinen Schimmer abgibt. Wir sollten als Journalisten nicht vergessen, was das primäre und originäre ist. Und uns ( oder unsere Berichterstattung ) nicht wichtiger nehmen, als Personen und Ereignisse, über die wir berichten. Das führt zu meiner Auffassung, dass Medien Entwicklungen beschleunigen oder abbremsen können, aber sie nicht willkürlich erfinden können. Jedenfalls nicht auf Dauer. Kurzfristig manchmal schon. Was zur Frage journalistischer Ethik und Verantwortung führt. Aber das ist ein Thema für sich.

  16. @Hans Jessen, danke sehr für die Erläuterung! Eines noch dazu: Dabei wird unser unterschiedliches Weltbild deutlich, ich bin der Meinung, dass es diese Lampe zwar gibt, sie aber für uns kaum und nur mit Anstrengung wahrnehmbar ist. Wie Platon im Höhlengleichnis darstellt, nehmen wir Menschen Reflektionen war – unsere eigenen oder unsere Reflektionen der Reflektionen anderer. Die physikalische Realität sind Licht- oder Schallwellen, die auf Nerven treffen. Diese Realität gelangt als solche gar nicht bis in das Bewusstsein. Die Kumulation von nervlichen Erregungszuständen vermitteln irgendwann ein inneres bewusstes Bild von Personen und Ereignissen, jedoch ist das bereits nicht mehr “objektiv”. Es gibt naturwissenschaftlich – neurologisch keine einzige Wahrnehmung, die nicht schon gefiltert und emotional bewertet im Bewusstsein ankommt. Darum, sagt Krishnamurti, ist die höchste Form der Intelligenz zu beobachten ohne zu bewerten. Die Beobachtung steht nämlich an zweiter Stelle: Wenn es gelingt, einigermaßen viele Vorurteile wieder aus der Wahrnehmung auszugrenzen und nur noch zu beschreiben, dann sind wir halbwegs zur Beobachtung zurückgekommen. Nur: Die reine Beschreibung ist natürlich absurd langweilig und auch kein Journalismus. Daher würde ich sagen, dass für die Reflektion der Mediennutzer gilt: jede Berichterstattung “IST” quasi das Ereignis und die Person, über die sie berichtet, jede Berichterstattung verändert Ereignisse und Abläufe, und die journalistische Verantwortung ist daher immer in dieser umfassenden Form der Gestaltung gegeben. Liebe Grüße und bitte unbedingt immer wieder in den Podcast kommen!!!

  17. @jo. tatsächlich sind wir bei den punkten, die du ansprichst, vielleicht weniger weit auseinander, als es scheinen mag. du beschreibst den prozeß von Wahrnehmung wesentlich in den Kategorien des radikalen Konstruktivismus, die ich für eine hilfreiche Theorie halte. ( weswegen ich auch den begriff des “objektiven Journalismus” nicht verwende.) jede form von Darstellung ist in mehrfacher weise subjektiv geprägt. aber es gibt einen unterschied zwischen subjektiver Beliebigkeit und dem versuch, als Subjekt zu versuchen, relevante aspekte anderer Subjekte zu erkennen und aufzunehmen, auch wenn sie nicht meiner eigenen subjektiven Position entsprechen. ich unterstelle vielen kollegen, dass sie eigentlich das meinen, wenn sie den begriff “objektiv” verwenden. dieser versuch, relevante Kernpunkte auch anderer Positionen zu erkennen und darzustellen, unterscheidet nach meiner Auffassung auch Journalismus von Propagierung allein des eigenen Standpunkts. Journalismus verlangt nach meiner Auffassung eine Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz. Es gibt das Sprichwort, jemand sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Das spricht in abstrakter Form diese Grundstruktur an. Wer zu nah dran ist, sieht den Wald vor Bäumen nicht – und wer zu weit weg ist, sieht die Bäume vor lauter Wald nicht. Die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz, die Reflektion dieser Gleichzeitigkeit gehören zum kritischen (Selbst)bewußtsein journalistischer Verantwortung – wie auch (hoffentlich ) zur Grundausstattung aufgeklärter Mediennutzung. Da sind wir dann ziemlich genau bei deiner conclusio. in den Podcast komme ich immer gern, wenn meine anwesenheit dort für sinnvoll gehalten wird. aber gäste sind gäste und sollen die Gastgeber nicht überstrapazieren. 😉

  18. Also das Lampen-Reflektor Bild hinkt noch aus einem anderen Grund:

    Wir haben bei Trump festgestellt, dass dieser sich aus Medien informiert, in dem Fall halt Medien wie Fox News und sich dann entsprechend äußert.

    Es ist also das Lampe Reflektor Bsp. Einweg – Quelle – Verstärkung.

    Tatsächlich haben wir eine Rückkopplung also der Reflektor beeinflusst das Lämpchen usw…

    Bei Trump wird das aufgenommen, weil es uns halt deutlich wird, aber bei anderen Politikern die soz. die Medien konsumieren, die wir als legitim betrachten ist es vermutlich oft genauso.

    Das Lawrov – Lisa Bsp. war aus meiner Sicht kein politisches Kalkül von Lawrov, sondern Lawrov wurde soz. durch seinen Medienkonsum manipuliert und Steinmeier auch.

    Die ÖR und insbesondere das ZDF hat dabei ordentlich mitgemischt.
    Mit die größte Propaganda Schleuder ist das Moma aus meiner Sicht.
    Die Lämpchen, also die Politiker haben das und Zeitungen usw… in ihrem Medienkonsum und so wird soz. die Agenda für den Tag gesetzt.

    Im Prinzip kann es durchaus so gewesen sein, dass beim Fall Lisa auch die berliner Polizei Mist gebaut hat, anfänglich.
    Aber sowas sollte halt dann auf lokaler Ebene bleiben und nicht durch Bundespolitiker und Medien auf Bundesebene beackert werden.
    Insgesamt berichten Medien alleine schon wegen Opferschutz usw… überwiegend über behauptete Vergewaltigungen, was aber auch einen schiefen Eindruck der Realität erzeugt.
    Einfacher Hausverstand reicht aus, um sich vorstellen zu können, dass es in Berlin einen Kinderstrich gibt und das auch Flüchtlingskinder als Quelle für Ausnutzung usw… herhalten müssen. Interessanterweise, zeigt sich da der Staat immer relativ schwach um dagegen vorzugehen. Die ARD selbst hat Dokumentationen dazu gemacht.

    Zum Film ‘Manipuliert’ von Sascha Lobo:
    Erstens gibt es mal die profane Kategorie Unterhaltung.
    Also spricht so eine Sendung den Geist an, oder fühlt sich mein
    Gehirn beleidigt ? Für mich war der Film auf dieser Ebene schon
    schlecht. Die Machart, mit Beleuchtung, Hintergrundmusik, Sprechszenen war einfach auch schlecht. Erinnerte ein bisschen an einen schlechte Mystery-Serie.

    Davon aber mal abgesehen, steht das auch im Kontext, dessen was neuerdings immer entgegendröhnt, wenn man den Fernseher anmacht, nämlich ‘fake news’, ‘Haß und Hetze im Inernet’.

    Steinmeier hat auf dem evg. Kirchtag gesagt, die sozialen Medien seien hilfreich gewesen, um den arabischen Frühling zu organisieren, aber in unserer freien demokratischen Gesellschaft
    sei diese Freiheit im Internet eher hinderlich.

    Das ist der Kontext, indem so ein Sascha Lobo Film läuft.
    Das Internet war noch nie freundlicher.
    Das ist wie mit den Staatsverweigerern, die gabs vermutlich auch schon immer, aber irgendwann wurde beschlossen, dass sich der Staat das nicht mehr gefallen läßt.

    Und so ähnlich ist es jetzt mit ‘Haß und Hetze’ im Internet.
    Tatsächlich wird hier versucht etwas einzufangen, nämlich z.B.
    dass die Menschen unzufrieden sind, auch wenn es ihnen selbst gut geht. Ich glaube eher die Menschen spüren, dass es falsch ist,
    wenn die Anti-Isis Koalition in Syrien Dörfer bombardiert, oder
    wenn Bootsflüchtlinge im Meer ertrinken.
    Sicher, früher hätte man Vieles einfach nicht in Erfahrung bringen können, heute twittert vielleicht noch jemand von vor Ort und berichtet.

    Freundlicher war die Welt jedenfalls nie und das Internet auch nicht.
    Die sog. filterbubble leben wir auch im realen Leben und das ist bis zu einem bestimmten Grad auch gut so.
    Natrülich kann ich mich punktuell mit anderen Menschen unterhalten, die eine andere Lebensrealität haben, aber man wird nicht selbst zum Obdachlosen, oder geht jede Woche zu einer Türkendisko, nur um aus seiner filterbubble auszubrechen.

    Ich lese keine Bild-Zeitung um die filterbubble des Bild-Lesers zu verstehen, habes exemplarisch gemacht, weiß, worum es geht.

    Für den podcast heißt es aber irgendwann, wenn ein Gast vom ÖR, ÖR Sendungen besprochen werden und zusammengeschnittene ÖR-Sendungen angehängt werden, dann
    kann man sich auch irgendwann gleich bei FUNK bewerben.
    Also die Kunst ist doch, dass informativ und unterhaltsam ist
    und den Intellekt anspricht. Viele podcast Folgen haben das auf
    unebzahlbare Weise geschafft, Sascha Lobo, wird das nie schaffen und ist einfach nur eine Marke. Was man sich für den aufwachen podcast wünschen soll, weiß ich gar nicht genau, will man Andreas Kümmert oder Boss Hoss sein, beides geht meistens nicht.

  19. Konstruktivismus, ja, allerdings nicht unbedingt in der radikalen Variante :). Und Nähe-Distanz, absolute Zustimmung, zur Verwirklichung des “BEIDES” von Nähe und Distanz befähigt die Menschen der präfrontale Cortex, auch dazu, die “Realität der Massenmedien” (nämlich die von den (Massen)-Medien vermittelte Realität, die meist die einzige Realität ist, die wir Mediennutzer in Bezug auf viele Sachverhalte haben), zu hinterfragen in dem Wissen, dass es außerhalb von uns selbst keinen (objektiven, realen) Orientierungspunkt gibt, der beim Hinterfragen hilft.

  20. Lieber H. Jessen, Dank auch von mir. Was massgeblich ist und bleibt, ist die sogenannte “Gatekeeper-Funktion”!

    Also, was Menschen (auch und insbesondere massgebliche Journalisten) nicht kennen, wissen oder sehen wollen, taucht nicht oder hoechstens am Rande in den Medien auf. Und die im Podcast besprochene soziale (konforme) “Meinungspost” geht entsprechend auch nicht ab… Laterne hin, Laterne her 😉 LG

  21. Lese grade wie viele andere auch: http://www.danisch.de/blog/2017/05/28/die-sags-mir-ins-gesicht-kampagne-der-tagesschau/

    Soziologische und damit gesellschaftliche Zahlen sammeln, wäre wirklich hilfreich: Ein kleiner Teil macht viel Lärm und der fällt auf, wie ein Terroranschlag. Minimaler Impakt. Maximales Medienecho gleich subjektive Wahrnehmung, es sei wichtig und betrifft einen. Was tun mir die AFD Trolle, im Netz, denn? Lass die doch unter sich ihren Müll verzapfen.
    Es gibt so abgefahrene Randgruppen die an Reptiloiden und an krassere Sachen glauben.
    Schreiende und Brüllende Kinder werden auch ignoriert bis sie sich benemen können.
    11% Nazis, konservative, Recht bei einer demokratischen Wahl ist etwas das die Demokratie aushält – die bekommt man nicht bekehrt die wachsen nach, so lange unsere Schulen schlecht sind.
    Oder wie ein Freund immer zu sagen pflegte: Paar Idioten gibts immer!
    Man muss sie halt nicht wichtiger nehmen und machen als sie sind. Ähnlich wie Terroranschläge – aushalten und versuchen nicht den Rechtsstaat durch Überwachung abzuschaffen.

  22. Herr Lindner fordert also eine Abschaffung der Stromsteuer, um damit “private Haushalte zu entlasten”. Sollte sich also lohnen einmal genauer hinzuschauen, wen die Klientelpartei da wirklich entlasten will und was eine solche Forderung bedeutet:

    1. Die Stromsteuer ist eine Verbrauchersteuer und muss von allen gezahlt werden, die elektrischen Strom verbrauchen. Das heisst also nicht nur private Haushalte zahlen diese Steuer, sondern auch Unternehmen. Wenn man sich den Stromverbrauch nach Sektoren anschaut (http://www.energiestatistik-nrw.de/energie/strom/stromverbrauch), stellt man fest, dass Haushalte nur etwa ein Viertel des gesamten Stroms verbrauchen, tendenz fallend.

    2. Von der Stromsteuer befreit sind u.a. Strom aus erneuerbaren Energieträgern (https://de.wikipedia.org/wiki/Stromsteuergesetz_(Deutschland)). Ein Anreiz also für den Ausbau erneuerbarer Energiegewinnung. Herr Lindner will also die Sanktionierung von Energie aus Kohle und Atomkraft aufheben.

    3. Bis 2013 schien alles Supi zu sein für die Unternehmen, da es verschiedene Möglichkeiten gab, erheblich von dieser Steuer (bis 90%) entlastet zu werden. Die EU-Komission sah diese Ungleichbehandlung von Unternehmen gegenüber Haushalten problematisch und die Bundesregierung wurde genötigt Ausgleich zu schaffen. Wer heute Entlastung will, muss eine Steigerung der Energieeffiziens nachweisen. Wenn man dazu die Stromsteuerstatistik von 2013 und 2015 vergleicht (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/FinanzenSteuern/Steuern/Verbrauchsteuer/Stromsteuer.html), stellt man fest, dass die Entlastungen für Unternehmen um gut 2 Mrd. Euro gesunken ist. Bei einem gesamten Steueraufkommen von 6-7 Mrd. Euro für diese Steuer ist das eine erhebliche Mehrbelastung der Unternehmen, die durch den Wegfall der Steuer entfallen würde.

    4. Im Gegensatz dazu sollte man sich mal die Entlastung eines privaten Haushalts anschauen. Bei einem Verbrauch von 3500 kWh und einer Stromsteuer von 2,05 Cent/kWh, beträgt die Entlastung gerade mal 70 Euro pro Jahr. Ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass auch die 7 Mrd. Euro Stromsteuer irgendwann irgendwie gegenfinanziert werden müssen.

    Bleibt also festzuhalten, dass die von der FDP geforderte Abschaffung der Stromsteuer in erster Linie Unternehmen stärker entlastet als Privathaushalte (was im allgemeinen Trend der relativen Mehrbelastung der Privathaushalte gegenüber Unternehmen beim Steueraufkommen liegt) und eine klare Absage an die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien. Eigentlich genau das, was man von der FDP erwarten kann. Komischerweise hält keiner der “Experten” bei dieser Talkshow bei diesem Scheiss dagegen.

  23. Habe ich da die Musik aus dem World of Warcraft-Hauptmenü gehört? Dicke Nerdcred und ein Gutschein für 1 Internet an den Aufwachen-Podcast!

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